Ambulanz für Herzinsuffizienz, Kardiomyopathie, Myokarditis

In der Herzinsuffizienzambulanz, in der Patienten mit Kardiomyopathien jeglicher Genese behandelt werden, wird eine spezialisierte Diagnostik und Therapie für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA- Stadien III-IV) gemäß § 116b SGB V nach Zuweisung durch den Hausarzt oder einen niedergelassenen Kardiologen angeboten.

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Aufgabengebiet

Für Patienten mit Herzinsuffizienz stehen alle derzeit verfügbaren Diagnoseverfahren (Echokardiographie, Kardiales MRT; Myokardbiopsieentnahme, Invasive Hämodynamikmessung in Ruhe und unter Belastung, Vasoreaktivitätstestung, Genetische Diagnostik, Labordiagnostik, kardiopulmonale Leistungsdiagnostik, Holter-EKGs, Event-Recorder, T-Wellen-Alternans-Tests) zur Verfügung.

Neben einer medikamentösen Herzinsuffizienztherapie bieten wir zur Therapie von Kardiomyopathien folgende invasive Prozeduren an:

  • Perkutane koronare Revaskularisation (inkl. chronischer Koronarverschlüsse CTO)
  • Transkoronare Ablation der Septumhypertrophie (TASH-Procedur) bei HOCM
  • Interventioneller Verschluss von intrakardialen Shunts (ASD, VSD)
  • Mitralklappenvalvuloplastie
  • Perkutane Therapie der Mitralklappeninsuffizienz (MitraClip)
  • Minimal invasiver Aortenklappenersatz in Kathetertechnik (TAVI)
  • Ablationstherapie aller ventrikulären und supraventrikulären Arrhythmien
  • Implantation von Systemen zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT)
  • Implantation aller gängigen Schrittmacher- und Defibrillatoren-Systeme
  • Implantation von subkutanen Defibrillatorsystemen (S-ICD)
  • Verordnung LifeVest®. Defibrillator-Weste
  • Cardiale Kontraktionsmodulation (CCM)

 
Zudem werden - in enger Kooperation mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) für Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz alle Verfahren der mechanischen Kreislaufunterstützungstherapie ("Kunstherztherapie"), bis hin zur Vorbereitung zur Herztransplantation (HTX) angeboten.

Entsprechend der aktuellen Symptomatik wird eine Behandlung entweder ambulant, oder bei einer schweren Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit mit Zeichen der kardialen Dekompensation eine stationäre Aufnahme auf unsere spezielle Herzinsuffizienzstation (Station 30A) therapeutisch in Betracht gezogen werden.

Terminvereinbarungen und Ansprechpartner

Patienteninformation zu Herzmuskelerkrankungen: Myokarditis und Kardiomyopathien

Herzmuskelerkrankungen: Myokarditis und Kardiomyopathien

Kardiomyopathien sind akute oder chronische Erkrankungen des Herzmuskels (Myokard), die bei einem Teil der Betroffenen ohne ausgeprägte Beschwerden auftreten, meistens aber mit Symptomen einer Herzinsuffizienz und/oder Rhythmusstörungen einhergehen. Die Ursachen dieser Krankheitsbilder sind zahlreich. Teilweise liegt eine familiäre (genetische) Prädisposition vor. In der Mehrzahl der Fälle sind die Kardiomyopathien aber erworben und werden überwiegend durch alltägliche Virusinfekte ausgelöst. Seltener sind es Bakterien- oder Pilzinfektionen, Stoffwechselerkrankungen oder toxische Schädigungen (z. B. Alkohol oder Medikamente) die eine akute oder chronische Erkrankungen des Herzmuskels auslösen.

Symptome und Beschwerden

Virusinfektionen führen oft unmittelbar oder wenige Wochen nach einem Lungen- oder Darminfekt zu mehr oder weniger typischen Beschwerden einer Herzinsuffizienz. Häufig sind Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Leistungsminderung, uncharakteristischen Brustschmerzen (Angina pectoris), Herzschlagunregelmäßigkeiten (Rhythmusstörungen), Luftnot (Dyspnoe) v.a. bei Belastung oder Flüssigkeitsansammlingen (Ödeme) im Bereich der Knöchel oder Unterschenkel. Ist die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigt, spricht man von einer systolischen Herzinsuffizienz, bei Vergrößerung der Herzhöhlen von einer dilatativen bzw. entzündlichen Kardiomyopathie.

Notwendige Untersuchungen

Da auch andere Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems wie z.B. ein Herzinfarkt, ein Bluthochdruck oder ein Herzklappenfehler ähnliche Beschwerden wie eine Herzmuskelerkrankung hervorrufen können, ist es zunächst wichtig, diese Krankheitsbilder rasch durch gezielte klinische Untersuchungen mit Laborkontrollen, EKG/LZ-EKG, Lungenfunktionstests, Echokardiographie, MRT und einer Herzkatheteruntersuchung auszuschließen. Findet sich in diesen Untersuchungen keine eindeutige Erklärung für die aufgetretenen Beschwerden oder Herzleistungsschwäche, kann eine vermutete Herzmuskelerkrankung nur durch eine direkte Untersuchung des Herzmuskelgewebes (Herzmuskelbiopsie), die ohne großes Risiko im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung erfolgt, zuverlässig nachgewiesen werden.

Spezielle Untersuchungen

In den aus der rechten und/oder linken Herzkammer entnommenen Gewebeproben können durch spezifische molekularbiologische Untersuchungsmethoden die Aktivitäten und Mengen unterschiedlichster Viren exakt bestimmt werden. Histologische Untersuchungen und immunhistochemische Spezialfärbungen geben Aufschluss über vorliegende Herzmuskelschäden sowie das Ausmaß und die Art einer vorhandenen Herzmuskelentzündung. Mit diesen und weiteren speziellen Untersuchungsverfahren können zahlreiche andere Herzmuskelerkrankungen wie eine ARVD, die kardiale Sarkoidose oder eine Herzamyloidose nachgewiesen werden, die aufgrund ähnlicher Beschwerden wie sie bei einer entzündlichen Kardiomyopathieauftreten, mit anderen klinischen Diagnoseverfahren nicht eindeutig nachweisbar wären.

Behandlung der Herzmuskelerkrankungen

Durch die in den letzten Jahren erzielten großen Fortschritte in der Diagnostik ist es nicht nur möglich spezifische Krankheitsbilder nachzuweisen sondern diese in vielen Fällen auch gezielt zu behandeln. Der Erfolg einer Behandlung setzt allerdings voraus, dass mit der Behandlung rechtzeitig, d.h. noch vor der Entwicklung irreparabler Organschäden, begonnen wird. Dies kann nur erfolgen, wenn die für die Therapieentscheidung notwendigen Untersuchungen und diagnostischen Maßnahmen, insbesondere die myokardbioptischen Gewebeuntersuchungen, frühzeitig und vollständig erfolgen. Sind die auslösenden Ursachen, zum Beispiel ein Virusinfekt oder eine Entzündung, bereits wieder abgeklungen, lassen sind nur noch die im Herzmuskel entstandenen Folgeschäden nachweisen.
Ziel jeder Behandlung ist es, zunächst durch eine medikamentöse Standardtherapie (Herzinsuffizienzbehandlung) die Beschwerdesymptomatik zu verringern und die Herzleistung durch medikamentöse Entlastung des Herzens zu verbessern, um hierdurch krankheitstypische Risikofaktoren zu verringern, ein Voranschreiten der Erkrankung zu vermeiden und so langfristig den Verlauf der Krankheit zu verbessern.
Eine gezielte und spezifische Behandlung einer Virusinfektion oder einer Entzündung des Herzmuskels ist nur aufgrund eindeutiger Biopsieergebnisse möglich, da sich die Erkrankungsprozesse in mikroskopisch kleinen Herzmuskelbezirken abspielen und deshalb durch andere Untersuchungen wie EKG, Echokardiographie, MRT oder Labortests nicht nachweisbar sind oder voneinander unterschieden werden können.
Wurden in der Biopsie Virusinfektionen nachgewiesen, können diese häufig durch spezifische antivirale Medikamente behandelt werden. Entzündungsprozesse des Herzens dürfen/sollten nur behandelt werden, wenn bestimmte Viren sicher ausgeschlossen wurden, Auch hierfür stehen, abhängig von vorliegenden Begleiterkrankungen, unterschiedlichen Behandlungsmög-lichkeiten zur Verfügung, die bei einem Großteil der Patienten das Beschwerdebild deutlich verbessern und ein Voranschreiten der Erkrankung verhindern.